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Was Menschenaffen mit einem Fantasyroman zu tun haben

Die Zwillinge Jan und Kai Niens haben den zweiten Band ihrer Romantrilogie "Das Schattenbuch von Morin" vorgelegt
 

Hemmingen. Fantasy gepaart mit zeitkritischen Bemerkungen über die Gesellschaft, in der sie leben - das ist Band zwei der Druiden-Trilogie von Morin. Jan und Kai Niens haben einiges zu sagen.



Von Franziska Kleiner



"Worte sind des Dichters Waffen", heißt es bei Johann Wolfgang von Goethe. Sich mit dem deutschen Dichterfürsten zu vergleichen, maßen sich die in Hemmingen aufgewachsenen Zwillinge Jan und Kai Niens nicht an. Gleichwohl nutzen auch sie die Sprache, um sich - wenn auch spät - zu revanchieren. So schlossen sie die Danksagung ihres ersten Fantasyromans "Die Zauberstäbe von Morin" mit einem Seitenhieb: "Wer hätte dies gedacht, nicht wahr?", fragen sie ihre ehemaligen Lehrer, die ihnen wohl nicht zugetraut haben, dass die Zwillinge unter die Autoren gehen. Den eben erschienenen zweiten Band dieser Morin-Trilogie beschließen sie ebenfalls überraschend, nämlich mit einer Widmung an die "Letzten ihrer Art", den Menschenaffen, Bonobos, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans. "Ihre Lebensräume sind heute schon bedroht. In der Zukunft wird es nicht darauf ankommen, was hätte getan werden können. Es wird sich herausstellen, dass all unsere Technik, unser Wissen und unsere Begierde nach Wirtschaftswachstum in keinem Verhältnis steht zu dem, was wir verloren haben."



"Mit Fantasy kann man alles ausdrücken", sagt Jan Niens. Und so ist nach den Zauberstäben auch das "Schattenbuch von Morin" durchaus als eine Fantasygeschichte zu lesen, die bisweilen düster und bizarr anmutet. Sie handelt von den Erben Lorbos, dessen Nachfahren den Thron des Landes Hadro bestiegen. Der große Krieg ist vergangen, hundert Jahre schlief der Druide den Druidenschlaf, bis er durch ein magisches Beben erweckt wird. In einem Traum wird ihm sein eigener Tod verkündet und ihm gezeigt, dass sich ein neuer Feind gewappnet hat, der seinen Ursprung im Schattenbuch hat. Das Buch "ist das Mächtigste, was Druiden je erschufen. Die dunkelsten Geister wohnen in ihm, es hat eine Art Eigenleben und niemand kann sich ihm entziehen", heißt es in dem Buch



Spätestens an dieser Stelle wird offensichtlich, dass die 1972 geborenen Zwillinge Jan und Kai Niens sich nicht damit begnügen, phantastische Geschichten zu schreiben, sondern sie auch mit Gedanken über die Gesellschaft bereichern, in der sie leben. Das Buch ist gespickt mit Beobachtungen über jene, die sich und ihre Werte für scheinbar schnellen Reichtum verkaufen. "Das Geheimnis, die Gefährlichkeit des Schattenbuches liegt nicht darin, wozu große Macht verführen kann. Nein, Macht ist vielleicht die verführerischste Art, einen Menschen zu verderben."



Neben dem Schreiben widmen sich die beiden Niens dem Arbeiten mit Kohle und Airbrush. Sie gestalten Bucheinbände und ihre eigenen Werke im Fantasy-Design. Die Zeichnungen entstehen wie ihre Bücher in ihrem Haus in Löwenstein bei Heilbronn. Den dritten Band der Trilogie haben der Industrie- und der Konstruktionsmechaniker inzwischen abgeschlossen. Der Titel stehe noch nicht fest, heißt es im österreichischen Novum-Verlag, der von einem "Achtungserfolg" spricht, den Band eins erzielt habe. Beide Teile sind jeweils in einer Auflage von 3000 Stück erschienen. Der dritte Band soll im Herbst 2009 auf den Markt kommen.



Gebrüder Jan und Kai Niens: "Das Schattenbuch von Morin", ISBN 978-3-85022-312-6, Novum-Verlag, 2008.
 

07.08.2008 - aktualisiert: 07.08.2008 06:00 Uhr

 

 




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